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Peter Lux

* 08.01.1937 - 21.05.2016

Der am 8. Januar 1939 in Hannover geborene Peter Lux gehörte zu den Männern der ersten Stunde der ONS-Sicherheitsstaffel, die Anfang der 1970er-Jahre von Herbert Linge gegründet worden war (die ONS, Oberste Nationale Sportkommission für den Automobilsport in Deutschland, ging 1998 im Deutschen Motor Sport Bund, DMSB, auf). Für diese Rettungseinheit war Lux rund 40 Jahre als Safety-Car-Fahrer für die Formel 1 und in der Rennserie DTM tätig gewesen. In den Jahren 1961 bis 1972 war er außerdem bei zahlreichen Automobilsport-Wettbewerben als Fahrer an den Start gegangen.

Mit dem nachstehenden Beitrag erinnern wir an Peter Lux, der unsere Bemühungen um den Erhalt des Museums nachhaltig unterstützt hat.

Erinnerungen von Peter Lux

Es war die Woche nach dem Großen Preis von Aintree im Sommer 1961. Am 15. Juli hatte das deutsche Sportidol Graf Berghe von Trips auf dem 4,8 Kilometer langen Kurs in der Nähe von Liverpool den Grand Prix von England gewonnen. Der härteste Konkurrent, sein amerikanischer Teamgefährte Phil Hill, war mit 46 Sekunden Rückstand ins Ziel gekommen. Die heimische Presse berichtete damals begeistert über dieses „Regen-Rennen“, in dem der Graf aus Horrem seine ganze fahrerische Klasse demonstriert hatte. Nun stand von Trips in Meckenheim und klingelte an der Haustüre von Peter Lux. Der damals 22-Jährige sollte diesen Tag nie vergessen:

„Ich öffnete und sah den Sieger von Aintree – Wolfgang Trips. Er reichte mir einen Helm und einen Overall und schmunzelte: ,Peter! Hier Deine Bestellung, direkt aus England für Dich nach Meckenheim!‘ Der Ferrari-Fahrer war auf der Heimreise nach Horrem. Er hatte nicht vergessen, dass ich ihn vor dem britischen Formel-1-Lauf gebeten hatte, mir aus England die qualitativ beste Piloten-Ausrüstung für meine eigenen Fahrer-Einsätze mitzubringen. Als ich nach dem Preis für Helm und Overall, die ich ja selber bezahlen wollte, fragte, wehrte Trips lächelnd ab: ,Ich schenke Dir die Sachen, Du hast sie Dir verdient.‘ Auch heute, nach gut 55 Jahren, besitze ich Helm und Overall immer noch und halte beides in Ehren – zur Erinnerung an Graf Berghe von Trips.“

Ein Tipp, der im ersten Motorsportjahr schon zu Edelmetall führte
Peter Lux erzählt von seiner ersten Begegnung mit Trips: „Ich hatte ihn im Dezember bei einem Clubabend der Scuderia Colonia in Köln kennengelernt. Vorgestellt hat mich mein damaliger ,Lehrmeister‘, der bekannte Sportwagenfahrer Hans Braun aus Lüftelberg bei Bonn, ebenfalls Scuderia-Mitglied. Zu jener Zeit war ich nur in meiner Freizeit Test- und Versuchsfahrer bei Braun, der als Design-Ingenieur bei Ford und später bei Porsche und BMW arbeitete. Sportliche Wettbewerbe kannte ich überhaupt nicht.“
Graf Berghe von Trips hatte sich in jenen Jahren in der Motorsportwelt bereits einen Namen gemacht. 1958 beispielsweise war der spätere Scuderia-Gründer von der ONS als erfolgreichster deutscher Fahrer bei internationalen Rennen geehrt worden. 1959 hatte er das vom Bundespräsidenten verliehene „Silberne Lorbeerblatt“ erhalten. 1960 konnte der Horremer in der Fahrer-WM bereits den sechsten Platz belegen.

Als ihm Peter Lux an diesem Winterabend in Köln von seinem Hobby, dem Motorsport, erzählt, sagt Trips: „Erstens sind wir Sportkameraden und deswegen schon per Du – ich bin der Wolfgang. Zweitens: Du musst unbedingt in Wettbewerben starten, aus Dir kann was werden.“
Lux berichtet weiter: „Wolfgang fragte mich nach meinem Auto – es war ein NSU Prinz – und riet mir, einen ONS-Fahrerausweis zu beantragen, um bei Rallyes, Zuverlässigkeitsfahrten und Slaloms starten zu können. Sein Rat war goldrichtig: Ich nahm 1961 an Rallyes und Zuverlässigkeitsfahrten teil und schaffte es jedesmal bis in die Wertung. Am Saisonende konnte ich bereits auf zehn große Erfolge mit Gold-, Silber- und Bronze-Medaillen zurückblicken.“

Solche Leute trifftst du im Lebebn nur einmal

Der tödliche Unfall von Graf Trips am 10. September 1961 beim Großen Preis von Italien erschütterte auch Peter Lux. Er setzte zwar seine eigene Motorsportkarriere fort und nahm noch etliche Jahre an Rundstrecken- und Bergrennen teil, die Tragödie von Monza sollte ihn aber nachhaltig beeinflussen. Doch hören wir ihn selber: „In meiner aktiven Laufbahn lag mir die Sicherheit von Fahrern und Zuschauern immer schon sehr am Herzen. Ich hatte früh erkannt, dass damals viele Sicherheitsvorkehrungen nicht mehr zeitgemäß oder gar nicht vorhanden waren. Und immer wieder musste ich an das schreckliche Ende meines Kameraden Wolfgang denken. So trat ich 1973 der ONS-Sicherheitsstaffel, die von meinem Freund Herbert Linge initiiert worden war, bei. Dort half ich mit, die Sicherheitsstandards auf deutschen und auf europäischen Rennstrecken zu erhöhen. Ich glaube, das ist uns über die Jahre hinweg doch gut gelungen.“
Gut vier Jahrzehnte war Lux, der sich inzwischen nach einer Schreinerlehre selbständig gemacht und einen eigenen Betrieb gegründet hatte, als Safety-Car-Fahrer in der Formel 1 und in der DTM im Einsatz. Im Bereich der Sicherheit habe man viel erreicht, meint Lux heute. Eine 100-prozentige Sicherheit auf den Rennstrecken dieser Welt werde es allerdings nicht geben.

Gefragt, was ihm aus seiner mehr als 50-jährigen Motorsportkarriere besonders in Erinnerung geblieben sei, muss Peter Lux nicht lange nachdenken: „Zwei Menschen beeindruckten mich in dieser Zeit so sehr, dass ich sagen kann: solche Leute triffst Du in Deinem Leben nur einmal. Ich spreche von Wolfgang Graf Berghe von Trips und von Professor Sid Watkins, dem 2012 im Alter von 84 Jahren verstorbenen legendären Formel-1-Rennarzt. Für ihn war ich bei unseren Formel-1-Einsätzen der Pilot im Medical Car.“

Der britische Neurochirurg, der von 1978 bis 2004 offizieller Chefarzt der FIA (Fédération Internationale de l’Automobile) für Formel-1-Rennen war, hat gemeinsam mit den Sicherheitsstaffeln zahlreichen Fahrern das Leben gerettet.