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Heinz Harald Frentzen

* am 18. Mai 1967 in Mönchengladbach.

Heinz-Harald Frentzen begann seine Motorsport-Karriere im Alter von 13 Jahren im Kartsport. Sein Vater kaufte ihm sein erstes Kart und bereits 1981 wurde Frentzen Deutscher Juniorenmeister. 1986 erfolgte der Wechsel in die Formel-Ford-2000-Meisterschaft, die Frentzen 1987 für Eifelland auf Rang zwei beendete. Ein Wechsel in das Team von Jochen Mass und die Formel-Opel-Meisterschaft brachte 1988 den ersten Titel im Formelsport.
Der Aufstieg in die Formel 3 war die Folge. Seine Konkurrenten waren unter anderem Michael Schumacher und Karl Wendlinger, mit denen er auch um den Meistertitel kämpfte. Am Ende der Saison 1989 zogen Schumacher und Frentzen den Kürzeren und der neue Deutsche Meister hieß, mit einem Vorsprung von nur einem Punkt, Karl Wendlinger. Auf dem zweiten Rang lag Frentzen, punktgleich mit Michael Schumacher.

Text und Foto: Michael Behrndt

Wendepunkt 1992 in Japan

Heinz Harald Frentzen in der Villa Trips

Foto: Chris V. Cöllen

Der damalige Mercedes-Sportchef Jochen Neerpasch sicherte sich alle drei Talente für das Mercedes-Junior-Team und setzte die Kontrahenten in einem über 800 PS starken Mercedes-Sportwagen ein. Parallel zu den Einsätzen für Mercedes fuhr Frentzen 1990 in der Formel 3000 für Eddie Jordan. 1991 erfolgte ein Wechsel in das Vortex-Team, aber auch hier blieben zählbare Resultate aus. So war Frentzen Anfang 1992 "arbeitslos". Er hatte weder einen Vertrag in der Formel 3000 noch in der Sportwagen-Weltmeisterschaft. Um sich "über Wasser zu halten", fuhr er vereinzelte Rennen für Euro-Racing auf einem Lola in der Sportwagen-WM. Gegen die Werksteams aber hatte der private Rennstall keine Chance.
Der Wendepunkt kam 1992 in Japan. In der dortigen Formel 3000 verunfallte der führende Volker Weidler so schwer, dass er seine Motorsportkarriere beenden musste. Als Nachfolger empfahl er seinem Teamchef bei Kawai Steel Nova Heinz-Harald Frentzen. Zusätzlich zu den Formel-3000-Einsätzen kamen auch noch All Japan Sportwagen-Meisterschaftseinsätze in den Jahren 1992 und 1993.
1994 war der Weg in die Königsklasse, nach einigen Umwegen, endlich geschafft. Neben seinem früheren Teamkollegen und Rivalen, Karl Wendlinger, bekam er von Peter Sauber die Chance, sich in der Formel 1 zu beweisen.
Ein guter Einstand mit Startplatz fünf beim Saisonauftakt in Brasilien und den ersten Punkten im japanischen Aida bestätigten, dass Peter Sauber und Mercedes die richtige Wahl getroffen hatten. Nur zwei Wochen nach dem Großen Preis von Imola, bei dem Roland Ratzenberger und Ayrton Senna ums Leben kamen, traf das Schicksal auch das Sauber-Mercedes-Team. Beim Training zum Großen Preis von Monaco verunglückte Frentzens Teamkollege Karl Wendlinger ausgangs des Tunnels schwer. Wendlinger zog sich erhebliche Kopfverletzungen zu und musste für 19 Tage in ein künstliches Koma versetzt werden.

Treue zum Sauber-Team

Anstatt ein Angebot von Frank Williams anzunehmen und den verunglückten Ayrton Senna im Williams-Team zu ersetzen, fühlte Frentzen sich Peter Sauber verpflichtet und hielt in dieser prekären Lage zum Sauber-Team.
Auch 1995 blieb Frentzen dem Team treu. Nachdem Mercedes zu McLaren gewechselt war, setzte man bei Sauber nun auf Ford-Motoren. Mit dem Weltmeistermotor von 1994 im Heck begann für das Team eine erneute Aufbauphase, aber beim Großen Preis von Italien konnte Frentzen endlich zum ersten Mal bei der Siegerehrung eines Formel 1 Rennens teilnehmen. Der dritte Platz für Sauber war sein vorerst letztes Podiumsresultat. Es folgte ein mageres Jahr 1996, ehe Frentzen 1997 endlich das Frank-Williams-Angebot annahm und den amtierenden Weltmeister Damon Hill ersetzte. Neben Jacques Villeneuve fuhr er nun in einem konkurrenzfähigen Auto und konnte nach einem schwierigen Saisonstart in Imola seinen ersten Formel 1-Sieg feiern. Zusammen mit Villeneuve gelang der Gewinn des Konstrukteur-Titels 1997 für Williams. Als es beim Saisonfinale in Jerez zu der unfairen Attacke von Michael Schumacher gegen seinen Meisterschaftsrivalen Villeneuve kam, hatte dies zur Folge, dass die FIA dem Ferrari-Piloten sämtliche Punkte aberkannte. Dies brachte Frentzen nachträglich den Vize-Weltmeistertitel des Jahres 1997 hinter seinem Teamkollegen Jacques Villeneuve.
Eine schwierige Saison 1998 folgte. Das Williams-Team war nicht in der Lage, gegen überlegene McLaren-Mercedes Schritt zu halten, und so gelang Frentzen nur ein dritter Platz beim Saisonauftakt in Australien. Ausbleibende Resultate führten Ende des Jahres zu einer Trennung vom Williams-Team.
Bei seinem ehemaligen Formel-3000-Team, dem Team von Eddie Jordan, fand Frentzen ein Cockpit für die Saison 1999. Mit zwei Siegen in Frankreich und Italien und dem Meisterschaftsrang drei überraschte das Team selbst gestandene Experten.
An diese Leistungen konnte man im Folgejahr aber nicht anschließen, geschweige denn aufbauen. Dem Jordan EJ10 fehlte es an Zuverlässigkeit und Speed, und so waren mehr als zwei dritte Plätze in Brasilien und den USA nicht möglich.

Kündigung per Fax

Nach Team-internen Querelen folgte mitten in der Saison 2001 auch hier die Trennung. Ausgerechnet vor dem Großen Preis von Deutschland erhielt Frentzen per Fax die Kündigung.
Alain Prost nahm ihn in seinem Team auf, wo er Jean Alesi ersetzte. Die Zusammenarbeit dauerte aber nur bis zum Ende des Jahres. Finanzprobleme zwangen Alain Prost Anfang 2002 zur Aufgabe und so stand Frentzen wieder ohne Rennstall da. Beim Arrows-Team, das zu dieser Zeit von Tom Walkinshaw geführt wurde, fand Frentzen 2002 für einige Rennen erneut ein Cockpit, bevor auch dieses Team aufgrund von Liquiditätsproblemen den Grand-Prix-Sport aufgeben musste.
Mit einem Vertrag im Team von Peter Sauber schloss sich 2003 der Kreis. Frentzen fuhr seine letzte Saison in der Formel 1 für das Team, das ihm zehn Jahre zuvor den Einstieg in die Königsklasse ermöglicht hatte.
2004 folgte der Wechsel in das Deutsche Tourenwagen Masters (DTM). Zwei Jahre fuhr Frentzen dort für Opel bevor er 2006 zu Audi ging. Eine Pole Position und insgesamt vier dritte Plätze waren die besten Resultate.
Nach dem Ende seiner DTM-Karriere widmete sich Frentzen der Recherche alternativer Antriebe. Zusammen mit Norbert Kreyer, der bei Zakspeed als Motoren-Ingenieur für den 1,5 Liter Formel 1-Motor verantwortlich war, entwickelte er für das 24 Stunden Rennen 2008 auf dem Nürburgring einen 630 PS starkes Hybrid Concept Car auf Basis des Gumpert Apollo. Das innovative Projekt wurde mit einer Zielankunft belohnt.
Nach dem Ausstieg von Opel aus der DTM zum Saisonende 2005 bestritt Heinz-Harald Frentzen die Saison 2006 für Audi in einem Werks-Audi A4 des Abt-Sportsline-Teams. In diesem Jahr erreichte er neben zwei dritten Plätzen im letzten Qualifikationstraining in Hockenheim die erste Pole Position seiner DTM-Karriere. Im Verlauf des Rennens wurde er jedoch nach hinten durchgereicht und von seinem Teamkollegen Mattias Eckström, an Position sechs liegend, abgeschossen. Im anschließenden TV-Interview bemängelte er, dass er im Team keine gleichwertige Behandlung bei der technischen Betreuung und bei der Rennstrategie erfahren habe und kündigte an, daraus seine Konsequenzen zu ziehen und über einen Abschied nachzudenken. Dieser war bereits durch die offensichtliche Brüskierung von Audi-Sportchef Wolfgang Ullrich sehr wahrscheinlich.[1] Am Abend des 30. Oktober 2006 verkündete Heinz-Harald Frentzen die Trennung von Audi, da sich auch in einem abschließenden Gespräch kein gemeinsamer Nenner mehr finden ließ. Daraufhin legte er 2007 ein Jahr Pause im Rennsport ein.


August 2010: Vorläufiger Rücktritt

2008 ging Frentzen beim 24-Stunden-Rennen am Nürburgring mit dem eigens entwickelten HHF Hybrid Race Car und einem eigenen Team an den Start. Als Basis diente ein gekaufter Apollo-Straßenwagen mit einem 3,3-Liter-V8-Biturbo mit 382 kW (520 PS), einem Elektromotor 100 kW (136 PS) sowie einer Traktionsbatterie der deutschen Gaia-Akkumulatorenwerke GmbH. Frentzen konnte das Rennen mit der problemlos funktionierenden Hybridtechnik beenden, wurde jedoch wegen zwei Schäden am konventionellen Getriebe nicht gewertet.
Auch einen zweiten Langstrecken-Klassiker, das 24-Stunden-Rennen von Le Mans, bestritt er 2008 – allerdings für Aston Martin.
An der 2007 gegründeten, 2009 aber eingestellten Speedcar Series, deren Rennen ausschließlich auf asiatischen Strecken stattfanden und die zur Überbrückung der Formel 1 freien Winterzeit ins Leben gerufen wurde, nahm Frentzen anfangs als Gaststarter, später als Stammfahrer teil. In der Serie waren mit Jean Alesi, Johnny Herbert und Jacques Villeneuve auch andere ehemalige Formel-1-Piloten aktiv.
Im August 2010 erklärte Frentzen seinen vorläufigen Rückzug vom aktiven Motorsport
In der Saison 2011 trat Frentzen in der ADAC GT Masters an der Seite des ehemaligen Skispringers Sven Hannawald mit einer Callaway Corvette an und wurde 30. in der Gesamtfahrer-Wertung.
In der Saison 2012 blieb Frentzen der Serie und dem Team Callaway Competition treu, fuhr allerdings mit seinem neuen Teamkollegen Andreas Wirth, der bereits seit dem Jahr 2009 in der ADAC GT Masters an den Start geht. Er belegte in der Saison 2012 Platz 17 der Gesamtfahrer-Wertung.

Heinz-Harald Frentzen ist seit 1999 verheiratet und lebt zusammen mit seiner Frau Tanja und den drei Töchtern Lea, Sarah und Fenja in Mönchengladbach.